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Starke Nerven

Die niederbayerische Heilpraktikerin Sabine Rosner kennt viele heimische Kräuter, die sich bei den Vorbereitungen für Schularbeit, Klausur und Bewerbungsgespräch bewährt haben.
 
Der Klatschmohn, eine der Zutaten für das Hand- oder Fußbad, ist der kleine Bruder des Schlafmohns und besitzt in abgeschwächter Form leicht schmerzstillende und schlaffördernde Eigenschaften © Landidee


Kaum jemand geht völlig entspannt in eine Prüfung. Egal, ob eine wichtige Schularbeit, der Führerscheintest, das Abschlussexamen oder ein Vorstellungsgespräch für den Traumjob ansteht – allein schon der Gedanke daran verursacht bei den meisten Menschen ein mulmiges Gefühl, oft aber auch extreme Nervosität, Unruhe, Konzentrations- und Lernprobleme, Schlafstörungen, Übelkeit oder Durchfall. Laut Untersuchungen leiden in Deutschland knapp 40 Prozent aller Schüler und Studenten sowie 20 Prozent der Berufstätigen in Situationen, in denen ihre Leistung bewertet wird, unter solchen Symptomen von Prüfungsangst. Eine gewisses Maß an Anspannung ist dabei durchaus sinnvoll. „Wenn wir vor und während einer Prüfung unter Druck stehen, schüttet der Organismus vermehrt Hormone aus, die in einer normalen Dosis die Aufmerksamkeit schärfen“, erklärt die Apothekerin und Heilpraktikerin Sabine Rosner. „Angst dagegen lähmt uns und macht uns krank. Deshalb ist es wichtig, sie in Schach zu halten – und dabei können uns einige heimische Pflanzen wunderbar unterstützen.“

Wertvolles Unkraut

Eine davon ist die Brennnessel – sie wird von unserer Kräuterexpertin, die ihr Wissen aus dem sehr schulmedizinisch geprägten Pharmaziestudium mit dem bewährten Erfahrungsschatz aus der Pflanzenheilkunde kombiniert, wegen ihrer wertvollen Wirkstoffe hoch geachtet. Wie man aus diesem „Unkraut“ ein Hautöl zur Stärkung der Gedächtnisleistung ansetzt, zeigt sie uns im interaktiven Schulmuseum der niederbayerischen Gemeinde Ahrain, dessen historische Klassenzimmer eine sehenswerte Sammlung von Lehrmitteln und Schülerutensilien aus dem 18. und 19. Jahrhundert beherbergen – die die Besucher sogar anfassen dürfen. Sabine Rosner: „Viele Menschen nutzen jetzt im Frühling die Kraft der Brennnessel zur Ausleitung von Schlacken und Giftstoffen. Eine ähnliche Wirkung zeigt sie auf der geistigen Ebene, wenn sie unser Gehirn zum Loslassen und ,Entrümpeln‘ anregt und so Platz für neuen Lern- und Wissensstoff schafft.“ Das macht nicht nur vor einer Prüfung Sinn, sondern kann auch im Schul- und Unialltag Sicherheit verschaffen.

Im Einsatz gegen Prüfungsangst, Nervosität und Erschöpfung stellt uns die heimische Natur mit dem Weißdorn einen weiteren verlässlichen Helfer zur Seite. Heilkundige nutzen seine Blätter und Blüten seit dem 14. Jahrhundert zur Stärkung von Herz, Kreislauf und Leistungsfähigkeit. Meist wird er innerlich angewandt, aber er kann in Hand- und Fußbädern ebenso seine durchblutungsfördernden, spannungslösenden und aufbauenden Eigenschaften entfalten. Neben diesen vitalisierenden Maßnahmen haben sich in Stress- und Prüfungsphasen beruhigende und ausgleichende Anwendungen bewährt. Die wahrscheinlich bekannteste Pflanze, die uns dabei unterstützen kann, ist der Baldrian. Bei ihren Führungen und Vorträgen im Albertus-Magnus-Heilpflanzengarten in Lappersdorf (Oberpfalz), der vor ein paar Jahren auf ihre Initiative hin entstanden ist, stellt Sabine Rosner aber immer wieder fest, dass tatsächlich kaum jemand weiß, dass er hier heimisch ist – und wie hübsch seine Blüte aussieht.

Für einen klaren Geist

„Der Baldrian ist ein Geschenk der Natur für jeden Prüfling“, so die Heilpraktikerin. „Wenn man abends vor lauter Matheformeln oder anderem Lernstoff das Gedankenkarussell nicht stoppen kann und zwei Meter über dem Bett schwebt, holt uns er uns runter und gibt uns die nötige Erdung.“ Einer seiner besten Verbündeten ist der Lavendel. Seine Inhaltsstoffe wirken entspannend und zugleich anregend – das ist ideal, wenn man einen klaren und wachen Geist braucht und sich konzentrieren muss. Hopfen und Melisse sind ebenfalls erprobte Begleiter des Baldrians. Wie der Fenchel können beide Kräuter nicht nur die Nerven beruhigen, sondern auch den Bauch und das sogenannte Bauchgehirn, das auf Leistungsdruck und Prüfungsstress oft mit Blähungen und anderen Verdauungsproblemen reagiert.

Sabine Rosner: „Baldrian, Lavendel, Hopfen und Melisse kann man gut im Garten kultivieren. Die Engelwurz für die Knabberstäbchen lässt sich dort gleichfalls problemlos ziehen. Sie ist die ideale Helferin, wenn’s mal eng wird – in der Prüfung wie in den Atemwegen.Und sie unterstützt dabei, nach zu langer Computerarbeit oder Reizüberflutung beim Lernen zur Ruhe zu kommen.“ Diese Pflanze, die in guten Kräutergärtnereien als Zögling angeboten wird, wächst übrigens schnell zu einer imposanten Staude heran. 

GLÜCKSTEE BEI PRÜFUNGSANGST UND GEISTIGER ERSCHÖPFUNG

ZUTATEN: je 2 Prisen Minze, Lindenblüten, Eisenkraut und Kamille

ZUBEREITUNG: Die Kräuter mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen.

ANWENDUNG: Den Tee über den Tag verteilt trinken. Die Kräutermischung beruhigt und vermittelt Geborgenheit

LAVENDELBLÜTENSIRUP GEGEN DAS GEDANKENKREISEN UND ÜBERTRIEBENEN PERFEKTIONISMUS

ZUTATEN: 1 kg Zucker, 15 g Zitronensäure, 40 g Lavendelblüten, am besten frisch geerntet

ZUBEREITUNG: Den Zucker mit 1,25 l Wasser aufkochen und abkühlen lassen. Zitronensäure und Lavendelblüten zugeben und alles gut vermischen. 4 Tage kühl stehen lassen, dann abseihen. Den Sirup auf 80 Grad erhitzen und sofort heiß in vorbereitete Flaschen abfüllen. Kühl und dunkel gelagert 5 Monate haltbar.

ANWENDUNG: Täglich 1 EL Sirup einnehmen. Trägt zu Gelassenheit bei und unterstützt dabei, die Anforderungen an sich selbst etwas herunterzufahren
 
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Fotos: 
Landidee
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