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Von Hand gestempelt

Die Textilhanddruckerin Eva Reisinger lässt
ein altes Handwerk wieder aufleben und
fertigt schöne Wohn-Accessoires zum Bestellen.
In ihrem Werkstatt-Atelier hat sie exklusiv für
uns einen fröhlichen Sommerstoff entworfen.

 
Wie kommt es, dass jemand seinen Beruf an den Nagel hängt und sich in der alten und mittlerweile selten gewordenen Branche des Textilhanddrucks selbstständig macht? „Begonnen hat alles vor fünf Jahren mit der Geburt meines Kindes“, erzählt Eva Reisinger. „Ich hatte das Gefühl, ich müsse etwas machen, was näher an mir dran ist.“

Zuvor arbeitete die studierte Geografin an wissenschaftlichen Studien und übte ihren Beruf eigentlich sehr gern aus. Als sie dann etwas Neues ausprobieren wollte, dachte sie zuerst an Schneiderei, denn schon als Kind und Jugendliche lernte sie von ihrer Mutter das Nähen. Um ihr Wissen aufzufrischen, besuchte sie einen Nähkurs.

Ihre Kursleiterin war eine begeisterte Schneiderin, die für das Theater nähte und eines Tages von der Idee erzählte, die fertigen Kleider mit Stempeln zu bedrucken. „Das gab den Ausschlag“, so Eva Reisinger, „von da an war ich fasziniert von der Idee, Stoffe selbst zu bedrucken.“

Ein Jahr dauerte es dann noch, bis sie sich das Handwerk selbst beibrachte und alles gelesen hatte, was es zum Thema Textildesign und Textilhanddruck auf dem Büchermarkt gibt. Dann begann sie damit, Stempel zu schnitzen, aus Moosgummi herzustellen und sich dem Thema Siebdruck zu widmen. Als sie die Herstellungsverfahren perfektioniert hatte, fehlte nur noch ein Markenname.

Die Wahl fiel auf „LaKattun“. „Der Name leitet sich vom nicht mehr so gebräuchlichen Wort ‚Kattun‘ ab, einem Baumwollstoff, der zum Bedrucken gedacht war. Früher, kurz vor der industriellen Revolution, gab es auch bei uns viele sogenannte Cattun-Druckereyen.“
Von Beginn an war für Eva Reisinger klar, dass sie mit ihrer Kunst Geld verdienen möchte. Es sollte nicht bloß ein Hobby sein – es war ihr in der Handwerkskammer eingetragener Beruf. Heute arbeitet Eva Reisinger gemeinsam mit drei anderen Frauen in dem Werkstattatelier „hello yellow“ in Berlin Alt- Treptow.

Den Namen haben sie sich gemeinsam ausgedacht. Zuerst wollten sie sich „Herr Jordan“ nennen – nach einem der Gründer von Agfa, in dessen Fabrik sich nun das Werkstatt-Atelier befindet. „Aber in Berlin heißen gerade alle Herr, Frau oder Fräulein Soundso, deshalb haben wir uns dagegen entschieden.“ Eva Reisinger ist Hauptmieterin, wollte trotzdem gern das Material und die Räume mit anderen teilen.

„Das ist geschickt, weil ich meistens unter der Woche hier bin und die anderen am Wochenende zum Arbeiten reinkommen.“ Auch das Thema Nachhaltigkeit ist ihr wichtig: „Alle Stoffe, die ich verwende, sind zu 100 Prozent aus Bio-Baumwolle, die zum Teil auf Handwebstühlen gewebt werden. Sie sind nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert.

Einige sind zusätzlich auch Fair Trade gehandelt. Und die Farben, die ich verwende, sind wasserbasiert und machen mir beim Drucken kein Kopfweh. Sie werden dauerhaft fixiert. So halten die bedruckten Stücke die Waschmaschine aus – wenn auch Handwäsche für die Stoffe meist das Beste ist.“

Die Materialien bewahrt sie in großen Boxen auf. So geht sie sicher, dass sie nicht ausbleichen oder durch das Arbeitsumfeld verschmutzt werden. Dass Eva Reisinger für ein altes Handwerk ihre wissenschaftliche Arbeit aufgegeben hat, bereut sie bis heute nicht. Etwas zu erschaffen, anderen damit eine Freude zu machen und davon leben zu können – das ist ihr Traum.

Die Textildesignerin geht mit offenen Augen durch die Welt und sieht in Pflanzen, in denen andere Menschen nur eine Blume sehen, schon ein neues Motiv für ihre Stempel. Auch von Bauten, klaren Linien und grafischen Mustern lässt sie sich inspirieren. Die Mischung ist es, die aus ihren Motiven einzigartige Textilien und Stücke macht.

Wenn man aus den großen Fenstern des Werkstatt-Ateliers blickt, sieht man ins Grüne. „Ich darf es gar nicht laut sagen, aber hier arbeiten zu dürfen und diese Arbeit so ausüben zu können, wie ich es täglich mache, ist ein ganz großes Glück.“ Für LandIdee Wohnen & Deko bedruckte Eva Reisinger einen hellblauen Bio-Baumwollstoff mit Margeriten – für sie eine der schönsten Sommerblumen überhaupt.

Weil es ihrer Meinung nach in Deutschland leider (noch) keinen guten Markt für handgedruckte Stoffe gibt, näht sie schöne Dinge daraus und verkauft sie im Internet oder in ausgesuchten Wohnläden (siehe Kasten unten). „Vielleicht kann ich dazu beitragen, dass dieses Handwerk wieder Aufwind bekommt. In Dänemark beispielsweise oder auch in Australien sind Textilhanddrucker hoch angesehen.

Dort kaufen die Menschen lieber handbedruckte Materialien für ihre Inneneinrichtung und auch für ihre Kleidung als in Deutschland. Zumindest bis jetzt“, sagt sie und lacht. Die Druckergebnisse haben den Charme des Handgemachten: Und das sieht man den Stoffen auch an. So hat jedes seinen ganz eigenen Charakter – wie Eva Reisinger selbst.

ZUM BESTELLEN
Für LandIdee Wohnen & Deko hat Eva Reisinger das Druckmotiv „Margerite“ entworfen. Der Stempel und die fertig genähten Produkte können direkt bei ihr bestellt werden (Stempel: 48 Euro, Kissen: ab 34 Euro, Stoffkorb: 23 Euro). Wer möchte, kann den Stoff auch im laufenden Meter bestellen (Breite: 120 cm, pro Meter 96 Euro).

KONTAKT
La Kattun – Handbedruckte Stoffe
Lohmühlenstraße 65
12435 Berlin
www.lakattun.de

eva@lakattun.de

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Von Hand gestempelt - sommerliche Naturstoffe - Text: Cordula Schneider, Fotos: Peter von Felbert
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