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Schmeckt nicht, gibt’s nicht!

Ein überlegt bestückter Garten kann im Herbst und Winter zum reich gedeckten Tisch für die Vogelwelt werden. Er bietet vielen Vögeln ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot, das an Vielfalt jedes käufliche Futter in den Schatten stellt. Tipps für Ihr Körner- und Beerenfresser-Paradies.

 
Unsere heimischen Vögel wissen genau, was ihnen schmeckt und wo sie Früchte und Samen finden, die ihnen helfen, gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Manche Bäume und Sträucher werden von ihnen regelrecht belagert, sobald die Fruchtstände reifen. Erst wenn die letzte Beere verspeist ist, kehrt wieder Ruhe im Geäst ein. Wer möglichst viele verschiedene Vogelarten regelmäßig in seinem Garten sehen will, der kann mit einer großen Auswahl an geeigneten Futterpflanzen im eigenen Garten dafür sorgen, dass sie sich bei ihm einfinden. Die meisten Vögel sind nämlich Spezialisten, was ihren Speiseplan betrifft. Während Weichfutterfresser wie Amseln, Drosseln und Rotkehlchen sich durch die Früchte verschiedener Sträucher anlocken lassen, werden Körnerfresser wie Finken, Meisen und Sperlinge mit Samenständen vieler Sommerblumen, Gräser und Stauden in Versuchung geführt.

Beerenstarke Futterpflanzen
Schon mit ein paar gezielten Maßnahmen können Sie den eigenen Garten zur Speisekammer für unsere heimische Vogelwelt machen. Vor allem einheimische Sträucher und Bäume, die reichlich Früchte ansetzen, sind wichtig. Sehr wohlschmeckend und entsprechend begehrt sind die Beeren der Eberesche, die nicht umsonst im Volksmund auch Vogelbeere heißt. Auch die Beeren von Schneeball, Kornelkirsche, Holunder, Berberitze, Felsenbirne und Weißdorn gehören zu den Lieblingsfrüchten zahlreicher Vogelarten. Das merkt man schon allein daran, dass diese Sträucher in kürzester Zeit leer gefressen sind. Manche Früchte schmecken nicht sofort nach der Reife, sondern erst, wenn eine frostige Nacht ihren Geschmack oder ihre Konsistenz verändert hat. Bei Schlehen etwa werden erst durch den Frost die enthaltenen Gerbstoffe abgebaut, erst dann werden sie von den Vögeln gefressen. Bei der Mispel, einem heute fast in Vergessenheit geratenen Wildobst, bekommen die vorher steinharten Früchte nach dem Frost eine teigige Konsistenz. Das Fruchtfleisch lässt sich nun ganz einfach aus der Schale picken. Doch nicht nur heimisches Wildobst wird von den Vögeln gern akzpetiert. Auch manche eingeführte Art, die ursprünglich wegen ihres Zierwerts im Garten angebaut wurde, ist eine wertvolle Bereicherung ihres Menüplans. Die Beeren der Aronie beispielsweise punkten durch einen hohen Gehalt an Vitamin C und werden in den letzten Jahren verstärkt für die Saft- und Marmeladenherstellung genutzt. Auch unsere heimischen Vögel haben offenbar ihren kräftigen süß-sauren Geschmack für sich entdeckt. Gleiches gilt für die verschiedenen Zierapfel-Sorten, von denen einige hervorragend zu schmecken scheinen, während andere erst interessant werden, wenn keine Nahrungsalternativen mehr zu finden sind. Daneben bieten manche Kletterpflanzen wie Efeu, Wilder Wein oder Baumwürger den Vögeln wohlschmeckende Früchte und zusätzlich noch einen vor Feinden und kalter Witterung geschützten Unterschlupf.

Körnervielfalt aus dem Garten
Körnerfresser stellen andere Ansprüche an das Nahrungsangebot im Garten. Sie freuen sich über möglichst vielfältige Sämereien. Wer Stauden, Gräser und Sommerblumen im Garten pflegt, sollte deren Samenstände möglichst lange an den Pflanzen belassen. Angenehmer Nebeneffekt: Viele von ihnen sind ausgesprochen dekorativ und verleihen den Beeten im Winter zusätzlich Struktur. Zierdisteln und Karden beeindrucken auch in trockenem Zustand durch ihre imposante, oft bizarre Form. Hier finden vor allem Distelfinken ihr passendes Speiseangebot, aber auch Sperlinge und Zeisige lassen es sich schmecken. Doch die Liste leckerer „Samenspender“ ist noch viel länger. Fast alle Doldenblütler, etwa Kerbel, Dill, Fenchel oder Engelwurz, werden von der Vogelwelt wegen ihrer Samenkörner geschätzt. Selbst die leeren Samenstände sind noch so attraktiv, dass man sie erst im folgenden Frühjahr schneiden sollte. Das gilt auch für das Brandkraut sowie viele Korbblütler, bei denen zum Schluss die knopfförmigen Blütenböden übrig bleiben. Unter den Gräsern sind es vor allem die einjährigen Zierhirsen und Ziergersten, die wegen ihres hohen Nährwerts wertvoll sind. Und auch die Samenstände der mehrjährigen Gräser sehen im Winter nicht nur schön aus, sondern sind auch eine wichtige Nahrungsquelle. Übrigens: Viele Insekten überwintern darin. Dort, aber auch in Laubhaufen oder einem Stapel nicht weggeräumter Äste finden Meisen, Rotkehlchen und Zaunkönige besondere Eiweiß-Leckerbissen, die im Winter absoluten Seltenheitswert haben.

 
Schmeckt nicht, gibt’s nicht! - Text: Katharina Adams - Fotos: Flora Press/The Garden Coll ection/FLPA, Flora Press/Botanical Images, Dieter Kaiser/pixelio.de, Getty Images, Katharina Adams, Arco/NPL, Friedrich Strauss, Peter Himmelhuber
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